Pürierte Kost im Krankenhaus

Essen und Trinken stärkt

Schon eine alte Redensart besagt: „Man muss essen, wenn man bei Kräften bleiben will. Und trinken auch.“ Um einer Mangelernährung bei Patienten vorzubeugen, sie zeitgerecht zu erkennen und im Bedarfsfall zu behandeln, wird im Klinikum Wels-Grieskirchen ein besonderer Fokus auf die Ernährung gelegt. Der Arbeitskreis für Ernährungstherapie und eine spezielle Projektgruppe verbessern mit einer individuell auf den Patienten abgestimmten Nahrungszufuhr dessen Lebensqualität und Wohlbefinden.

 

Laut einer Untersuchung des Bundesministeriums für Gesundheit essen 57 Prozent der Patienten während des stationären Aufenthalts in Österreichs Krankenhäusern nicht bedarfsgerecht. Durch die Unterversorgung mit Nährstoffen kommt es zu messbaren Beeinträchtigungen im Körper sowie seiner Funktionen. Die Folgen reichen von Müdigkeit und Schwindel über Muskelabbau bis hin zu erhöhter Infektanfälligkeit und verzögerter Wundheilung.

Individuelle Ernährungspläne für Risikopatienten

Um Patienten mit einem ernährungsbedingten Risiko für Mangelernährung rasch zu identifizieren, wurde am Klinikum bereits 2013 ein Screening implementiert. „Risikopatienten werden automatisch an uns weitergeleitet“, so Diätologin Simone Finsterriegler-Pötscher. „Aktuell erhalten wir fünf bis sechs Zuweisungen täglich.“ Nach Rücksprache mit Arzt und Pflegepersonal werden Parameter, wie etwa Nährstoffzufuhr, Energiebedarf und Körperzusammensetzung des Patienten, erhoben und individuelle Ernährungspläne für den stationären Aufenthalt entwickelt.

Pürierte Kost im Krankenhaus

Weniger Komplikationen nach OPs

Manchmal ist eine spezielle Art der Ernährung überlebenswichtig. „Sie ist zum Beispiel notwendig, wenn der Körper krankheitsbedingt abbaut“, erklärt Anästhesiologe und Intensivmediziner Johann Spiel. Er leitet mit Pädiater Franz Eitelberger den Arbeitskreis für Ernährung am Klinikum Wels-Grieskirchen. „Im Vorfeld großer Eingriffe soll der Ernährungszustand des Patienten optimiert werden: So können postoperative Komplikationen minimiert werden.“ Der Arbeitskreis beschäftigt sich seit 20 Jahren auch mit künstlichen Ernährungsformen sowie Vorsorge und Therapie von Mangelernährung im Krankenhaus. „Unser interdisziplinäres Team agiert als Koordinationsstelle und Ansprechpartner bei ernährungstherapeutischen Fragen und Problemen – für die Anwender, sprich Ärzte und Pflegepersonal, aber auch für Apotheken, den Home-Care-Bereich und die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln“, so Eitelberger.

Schnellere Erholung und mehr Lebensqualität

„Insbesondere bei älteren Menschen können Pflegende das Risiko einer Mangelernährung frühzeitig erkennen“, erklärt Hedwig Haimbuchner. Sie ist Leiterin des Projekts „Ernährung im Krankenhaus“. „Mit Vorträgen und Workshops schärfen wir das Bewusstsein der Krankenhausmitarbeiter für eine patientengerechte Ernährung und Flüssigkeitszufuhr immer weiter.“ In Kooperation mit dem Ausbildungszentrum für Gesundheits- und Pflegeberufe und der Klinikum-Diätologie wurde ein umfassendes und nachhaltiges Schulungskonzept für Pflegende entwickelt. „Durch adäquate Ernährung kann der Spitalsaufenthalt durchschnittlich um mehrere Tage verkürzt werden – die Patienten erholen sich schneller und profitieren von der erhöhten Lebensqualität“, so Haimbuchner.

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