Sr. Franziska Buttinger bei der Übergabe der Reanimationspuppe

Gmundner Schule rettet über 600 Leben

Zahlreiche Schulen Oberösterreichs unterstützen das Projekt „Schüler retten Leben“, welches Wiederbelebung zum Unterrichtsfach macht. In einem Wettbewerb rund um den Reanimationswelttag, den jährlichen „Restart A Heart Day“ am 16. Oktober, schaffte es die Mittelschule Gmunden-Stadt insgesamt 605 Wiederbelebungen durchzuführen. Für ihren Einsatz wurden Schüler und Lehrer nun durch das Klinikum Wels-Grieskirchen mit der Übergabe einer professionellen Reanimationspuppe ausgezeichnet. 

 

Spätestens seit dem EM-Auftaktspiel der Dänen gegen Finnland weiß es jedes Kind: Ein Herzstillstand kann jeden völlig unvorbereitet treffen. Fußballer Christian Erikson überlebte nach seinem Zusammenbruch auf dem Spielfeld dank sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen. Um die Rettungskette im Ernstfall in Gang zu setzen, sind Ersthelfer gefragt: Diese wichtige Aufgabe kann mit ein wenig Vorwissen und etwas Übung jeder übernehmen.

Österreich muss aufholen

Im Vergleich zu anderen Ländern ist in Österreich die Quote der Wiederbelebung durch Ersthelfer allerdings niedrig. „In Skandinavien liegt sie bei 40 bis 70 Prozent, hierzulande befindet sie sich bei gerade zehn bis 20 Prozent“, erklärt Markus Simmer, Anästhesist und Intensivmediziner am Klinikum Wels-Grieskirchen. Als Initiator des Projekts „Schüler retten Leben“ in Oberösterreich sieht er hier enormes Verbesserungspotenzial.

OA Dr. Markus Simmer, Initiator „Schüler retten Leben“

„Steigern kann man die Rate an Laienreanimationen vor allem durch eine Bewusstseinssteigerung in der Bevölkerung und flächendeckendes Training. Besonders Kinder und Jugendliche können und sollen für das Thema sensibilisiert werden und schon in der Schule die notwendigen Fertigkeiten erlernen.“

OA Dr. Markus Simmer, Initiator „Schüler retten Leben“, Institut für Anästhesiologie und Intensivmedizin

 

Klinikum Wels-Grieskirchen honoriert Engagement

In Kooperation mit dem Jugendrotkreuz Oberösterreich konnte Simmer bereits einen Großteil der Oberösterreichischen Schulen für das Reanimationsprojekt begeistern. „Jedes Kind der teilnehmenden Schulen trainiert zwei Stunden im Jahr Wiederbelebung im Rahmen des Schulunterrichts. Viele von ihnen beteiligten sich im Oktober am ‚Tag der Wiederbelebung‘ am Reanimationswettbewerb und haben somit die Chance auf die Auszeichnung durch das Klinikum Wels-Grieskirchen.“ Für ihren Einsatz erhielt nun die Gewinnerschule TNMS Gmunden-Stadt als Preis eine Reanimationspuppe. Klinikum-Geschäftsführerin Sr. Franziska Buttinger betont: „Für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist es immens wichtig, dass möglichst viele medizinische Laien über Wiederbelebung Bescheid wissen und ohne zu zögern bereit sind, lebensrettende Maßnahmen zu setzen. Skandinavische Projekte demonstrieren deutlich, dass der Anteil an geschulten Laien in der Bevölkerung langfristig steigt, wenn bereits Schüler Reanimationsmaßnahmen lernen und üben.“

Jeder kann wiederbeleben

Jedes Jahr erleiden rund 12.000 Österreicher einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Derzeit überlebt ca. ein Sechstel der Betroffenen dieses Ereignis. Experten weisen darauf hin, dass weitere 1.000 Österreicher pro Jahr gerettet werden können, wenn mehr Mitmenschen über die Bedeutung der Laienreanimation Bescheid wissen, die Rettungskette rasch aktivieren und mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Diese können und sollen von jedem durchgeführt werden. Jährlich findet am 16. Oktober auf Initiative des Europäischen Wiederbelebungsrats (ERC) und des Europäischen Parlaments der „World Restart A Heart Day” statt. Mit dieser Kampagne soll die Aufmerksamkeit der Bevölkerung dafür gestärkt werden, dass Reanimation für jeden leicht zu erlernen ist – auch für Schüler und Jugendliche.

Schüler der Mittelschule Gmunden‐Stadt mit Dr. Markus Simmer

 

Wussten Sie, dass …

  • jeden Tag in Österreich ca. alle 45 Minuten ein Mensch einen plötzlichen Atem-Kreislauf-Stillstand erleidet?
  • pro Minute des Abwartens die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent sinkt?
  • in Österreich im Notfall nur jeder Fünfte mit einer Wiederbelebung beginnt?
  • Basisreanimation ganz einfach ist?

So funktioniert’s:

Eine Anleitung, wie Reanimationsmaßnahmen auch von medizinischen Laien jederzeit angewendet werden können, finden Sie im Video Kreislaufstillstand und Reanimation des Klinikum Wels-Grieskirchen.

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Stand: Juli/2021