Behandlungsablauf
Diagnostik
Ausschlaggebend ist, für jeden einzelnen Patienten die Diagnose frühzeitig zu erstellen, um eine maßgeschneiderte, individuelle Therapie einleiten zu können.
PSA – Prostata-spezifisches Antigen
Die Bestimmung des PSA-Wertes durch eine Blutabnahme, ist eine einfache Möglichkeit, frühzeitig einen Hinweis auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms zu erkennen.
Da bösartige Veränderungen der Vorsteherdrüse zu einer verstärkten Ausschwemmung dieses Eiweißmoleküls ins Blut führen, kann ein steigender PSA-Wert dem Urologen Aufschluss über den Zustand der Prostata liefern.
Tastbefund
Der Prostatatastbefund ist eine Basisuntersuchung jedes Urologen und wird tagtäglich im Klinikum wie auch in der Facharztpraxis durchgeführt. Der Tastbefund ist schnell, einfach durchzuführen und kostengünstig sowie ohne wesentliche Nachteile für den Patienten. Er gibt eine grobe Auskunft über die Ausdehnung des vorliegenden oder in Abklärung befindlichen Prostatakarzinoms. Zusätzlich gibt der Tastbefund Auskunft über die geschätzte Größe der Prostata. Der Tastbefund kann auch über ein mögliches kapselüberschreitendes Wachstum geben und ist daher eine unverzichtbare Untersuchung.
PSMA Positronen Emissions Tomographie-Computertomographie (PET-CT)
Neben den konventionellen schnittbildgebenden Untersuchungen zur Verlaufskontrolle bei bekanntem metastasierten Prostatakarzinom und zur Evaluierung einer Metastasierung vor einer Operation bzw. Behandlung, kann - falls notwendig - beim Prostatakarzinom eine spezielle hochsignifikante PSMA PET-CT durchgeführt werden. Das PSMA PET CT kann bereits sehr kleine Metastasen rechtzeitig erkennen und so eine optimale Therapieplanung gewährleisten. Das PSMA PET-CT wird noch bis 2025 bei unserem Kooperationspartner am Neuromed Campus Linz durchgeführt, ab 2025 befindet sich auch am Klinikum Wels eine PET-CT mit PSMA Funktion, um unsere Patienten noch besser abklären zu können. Die PSMA PET-CT ersetzt die klassische Bildgebung mit Kontrastmittel unterstützte Computertomographie und Knochenszintigraphie nicht, hat allerdings im frühen Prostatakarzinomstadium und Erstabklärung einen zunehmenden Stellenwert.
ARTEMIS MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie
Die innovative Methode der MRT-Ultraschall-fusionierten Prostatabiopsie bietet in Kombination mit dem MRT die genaueste Abklärungs-modalität der Prostata. Durch das im Klinikum Wels-Grieskirchen schon seit 2016 eingesetzte ARTEMIS-System kann auf modernstem Stand der Technik Diagnostik betrieben werden. Die Biopsie erfolgt in der Regel in Lokalanästhesie tagesklinisch über den Damm (perineal) oder über das Rektum (rektal).
Therapieempfehlung im interdisziplinären Tumorboard
Von zentraler Bedeutung für die Therapieauswahl und -planung ist, in welchem Stadium sich der Krebs bei der Erstdiagnose befindet.
Im Klinikum Wels-Grieskirchen werden alle Patienten, die an einer Krebserkrankung leiden, im Rahmen des interdisziplinären Tumorboards besprochen.
Für jeden einzelnen Patienten wird das optimale Therapiekonzept, das auch die Kombination mehrerer Optionen beinhalten kann, erarbeitet.
Ein chirurgischer Eingriff ist nicht immer die erste Wahl in der Behandlung des Prostatakarzinoms.
Jede Therapie muss individuell für jeden Patienten erstellt werden.
In Zusammenarbeit mit den kooperierenden Fachdisziplinen aus Urologie, Radiologie, Pathologie, Onkologie und Radioonkologie wird am Klinikum Wels-Grieskirchen jeder Krankheitsfall genau charakterisiert, nach einer internationalen Einstufung bewertet und die bestmögliche Therapieform gesucht.
Die Empfehlungen aus dem Tumorboard werden dann gemeinsam mit dem Patienten in der Prostatasprechstunde abgesprochen und die Therapie eingeleitet.
Zielgenaue, schonende Therapie
Die Bandbreite der Therapieformen umfasst u.a.: aktive Überwachung, medikamentöse Behandlung, Chemotherapie, Bestrahlung, Operation
Aktive Überwachung
Die aktive Überwachung (active surveillance) stellt eine Option bei niedrig aggressiven und nur in geringem Ausmaß vorkommenden Prostatatumoren dar. Sie ist Patienten mit nur sehr geringem Risiko einer Progredienz vorbehalten. Im Zuge der aktiven Überwachung soll der Patient zu regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen inkl. Prostata-MRT zum betreuenden Urologen. Zusätzlich sollte in der Anfangsphase eine jährliche Kontrollbiopsie durchgeführt werden. Bei zunehmender Aggressivität oder Fortschreiten des Tumors oder Wunsch des Patienten sollte auf eine aktive Therapie gewechselt werden.
Roboterassistierte da Vinci Prostataentfernung
Durch die minimalinvasive Therapieoption mit dem da Vinci Roboter OP System kann der Operateur Strukturen feiner bearbeiten und so evt. (je nach Tumorkonfiguration) die Nervenbahnen, welche zur Erektion benötigt werden, während der OP schonen. Der minimalinvasive Zugang fördert die postoperative Erholung und Reduktion der Schmerzen. Im Klinikum Wels-Grieskirchen besteht bereits eine jahrelange Erfahrung mit dem da Vinci Roboter. Seit 2011 wird die Prostataentfernung roboterassistiert angeboten.
HIFU
Das HIFU‐Verfahren eignet sich vor allem für Patienten die für die Aktive Überwachung konform der EAU Leitlinien nicht geeignet sind oder mit einer radikalen Therapie (Operation- Prostatektomie oder Bestrahlung) übertherapiert werden könnten, sowie für jene Patienten die für eine Operation nicht geeignet sind (z.B.: wegen Begleiterkrankungen).
Auch Patienten nach bereits erfolgter Bestrahlung und örtlichem Wiederauftreten der Prostatakrebs‐Erkrankung kann diese Therapie nach bioptisch gesichertem Prostatatumorrezidiv durchgeführt werden. Mit der HIFU Therapie können die Patienten mit einem lokalen Tumorrezidiv eine systemische Therapie (medikamentös) mit potentiellen Nebenwirkungen vermeiden.
Die Durchführbarkeit der Behandlung hängt davon ab, wie viel Prostatagewebe betroffen ist, ob die betroffene Stelle gut zugänglich ist und genau eingegrenzt werden kann.
Die nicht‐invasive Therapieoption HIFU-Focal One minimiert durch die millimetergenaue Anwendung das Risiko von Nebenwirkungen. Die HIFU-Behandlung erfolgt gezielt und fokal, mittels Fusion der MRT (Magnetresonanztomographie) und US (Ultraschall); das Tumorgewebe wird mit der Ultraschallwellen bis zu 90 Grad Celsius „verkocht“
Strahlentherapie
Wenn eine Operation nicht angezeigt ist oder aufgrund von Begleiterkrankungen nicht möglich ist, kann eine Bestrahlung der Prostata und
(eventuell inklusive der Lymphknoten) durchgeführt werden.
Nach aktueller Datenlage ist eine Bestrahlung der Prostata mit einer Operation als gleichwertig zu sehen. Es stehen den Patienten im Klinikum Wels-Grieskirchen zwei langjährige starke Kooperationspartner - das Ordensklinikum Linz (zertifizierter Partner) und das Salzkammer Klinikum Vöcklabruck - für eine Bestrahlung zur Verfügung. Auch bei fortgeschrittener Erkrankung kann eine Strahlentherapie in Kombination mit anderen Therapien einen Vorteil bringen.
Systemtherapie (Chemo- oder Hormontherapie)
Bei Vorliegen eines metastasierten Prostatakarzinoms muss eine systemische Therapie gegeben werden. Eine Heilung ist in diesem Zustand nicht möglich.
Aus diesem Grund muss der Patient nach aktuellem Wissensstand dauerhaft eine Basis Hormontherapie (ADT) in Form von Subkutan-Spritzen (i.d.R. 3 monatlich) einnehmen. Zusätzlich wird eine Chemotherapie oder erweiterte Hormontherapie in Form von täglicher Tabletteneinnahme mit dem Patienten besprochen werden. Welche Therapie und in welcher Dosierung wird mit jedem Patienten individuell nach Tumorboard-Vorstellung besprochen.
Die Therapieentscheidung wird stets nach aktuellstem Leitlinien-Wissen und neuester Studienlage getroffen. Im Prostatakrebszentrum Wels können Ihnen alle Systemtherapien, teilweise in Kooperation mit der onkologischen Abteilung, angeboten werden.
Alle im Prostatakrebszentrum Wels angebotenen Therapieoptionen erfolgen mit jahrelanger Erfahrung und im Rahmen der aktuellsten internationalen Leitlinienempfehlungen.
Nachsorge
3-Monate nach Operation
PSA-Wert Messung und Gesprächstermin in der Urologie
Die weitere Nachbetreuung findet laut Nachsorgepass bei Ihrem niedergelassenen Urologen oder Hausarzt statt.
Physiotherapie
Physiotherapeuten sind im Zusammenhang mit Prostatakrebspatienten speziell für die Durchführung einer Beckenbodentherapie zuständig.
Am Institut für Physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation im Klinikum Wels-Grieskirchen kann die Physiotherapie bereits vor der geplanten Prostata-Operation im Sinne einer präoperativen Gruppentherapie starten.
Während des stationären Aufenthaltes werden sie physiotherapeutisch begleitet. Dies umfasst sowohl eine umfassende Aufklärung als auch Mobilisation und erste Übungen.
Nach der Entlassung erfolgt die ambulante Fortsetzung der Therapie im Sinne eines Beckenbodentrainings.
Die Zielsetzung der Therapie sowohl vor als auch nach der Operation besteht in:
- guter Aufklärung
- Schulung der Wahrnehmung und Koordination im Bereich der Haltung und des Beckenbodensystems
- Tipps für den Alltag unter Berücksichtigung einer optimalen Wundheilung sowie
- Erarbeitung eines individuell angepassten Therapieprogramms
- Diese ganzheitliche Arbeit erfolgt in Zusammenarbeit mit der urologischen Abteilung und dem Institut für Physikalische Medizin.
Kontinenz-und Beckenbodenzentrum
Rehabilitation & Anschlussheilbehandlung AHB
picture_as_pdf Onkologische Rehabilitation
Einen Antrag zur Rehabilitation oder Anschlussheilbehandlung können Sie auch gemeinsam mit Ihren niedergelassenen Urologen oder Hausarzt besprechen.
Begleitende Angebote und Therapien
Klinische Psychologie
Klinische Soziale Arbeit
Seelsorge
Palliativmedizin
Selbsthilfegruppe