Geburtshilfe

Gesundheitsförderung von Anfang an

Eine Schwangerschaft möglichst ohne Beschwerden und Komplikationen – das wünschen sich alle werdenden Eltern. Ein gesunder Lebensstil, vorausschauende Planung und eventuell notwendige Lebensstiländerungen tragen maßgeblich dazu bei – nicht nur, dass es der Mutter, sondern vor allem auch dem heranwachsenden Leben gut geht.

 

„Bereits bei Kinderwunsch ist es wichtig, vorausschauend zu sein“, rät Gertraud Eitelberger, Kinder- und Jugendärztin am Klinikum Wels-Grieskirchen. „Man sollte dann generell seine Lebensweise hinsichtlich Ernährung, Bewegung, Nikotin- und Alkoholkonsum überdenken, um dem neuen Leben einen guten Start zu ermöglichen.“

Säuglingsgesundheit beginnt bereits im Mutterleib

Schädigendes Verhalten wirkt sich bereits vor der Geburt negativ auf die Gesundheit des Ungeborenen aus. „Raucht die werdende Mutter in der Schwangerschaft oder wird in ihrem unmittelbaren Umfeld geraucht, kann es vorkommen, dass das Kind deutlich untergewichtig auf die Welt kommt und durch den Nikotinentzug sehr unruhig ist“, erklärt die Kinderärztin. „Betroffene Kinder weisen auch eine erhöhte Neigung für Bronchitis sowie ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Kindstod auf.“ Liegt Schwangerschaftsdiabetes vor, ist eine gute Blutzuckereinstellung anzustreben, damit die Kinder wiederum nicht übergewichtig geboren werden und in späteren Jahren Gefahr laufen, adipös zu werden.

OÄ Dr. Gertraud Eitelberger

„Deshalb empfehlen wir: Legen Sie ein Augenmerk auf eine ausgewogene Ernährung, bewegen Sie sich ausreichend an der frischen Luft oder sporteln Sie, soweit es Ihrem Körper in der Schwangerschaft gut tut! Vermeiden Sie, wenn möglich, übermäßigen Stress und scheuen Sie sich nicht, bei psychischen Belastungen professionellen Rat einzuholen!“

OÄ Dr. Gertraud Eitelberger, Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde

Nach der Geburt – Eine starke Bindung fördert die Entwicklung

Mit der Geburt des Kindes verändert sich für die Eltern vieles. „Es bedeutet, rund um die Uhr für ein kleines menschliches Wesen da zu sein“, betont Eitelberger. Das Neugeborene hat ein starkes Bedürfnis nach Nähe, zumindest eine Bezugsperson muss ständig präsent sein. „Die Devise ist: Ich gebe dem Baby, was es braucht, sei es ein Bedürfnis nach Getragenwerden, Nahrung, Getröstetwerden oder Aufmerksamkeit. Dabei darf man ruhig schnell auf die Signale reagieren, zum Beispiel bei Hunger: Ein Kind soll gestillt werden, wenn es etwa schmatzt oder die Faust zum Mund nimmt. Die Angst, es dadurch übermäßig zu verwöhnen, ist unbegründet.“ Durch eine sichere Bindung kann Urvertrauen entstehen; die Kinder können so zu selbstsicheren, selbstwirksamen Menschen heranwachsen. 
Auch das Stillen fördert eine starke Bindung. „Stillen wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Kleinen aus – sie haben nachweislich weniger Atemwegsinfekte und Durchfallerkrankungen“, weist die Expertin hin. Der Bindungsaufbau wird vor allem durch das Hormon Oxytocin gefördert, das bei jedem Stillvorgang sowie bei jedem Hautkontakt ausgeschüttet wird.
Kann das Kind nicht gestillt werden, wird für das erste Lebensjahr die Gabe einer Prenahrung empfohlen. „Das Kind darf so viel und so oft trinken, wie es möchte. Bleibt ein kleiner Schluck in der Flasche zurück, lässt sich erkennen, dass die Menge ausreichend war.“ 
Frühestens ab der 17. und spätestens ab der 26. Lebenswoche soll die Beikost eingeführt werden. Es ist gut, wenn das Kind bereits ein gewisses Interesse am Essen zeigt und signalisieren kann, wenn es satt ist. Idealerweise isst es am Familientisch mit, individuell an den Familienalltag angepasst. „Beachten Sie Ihre Vorbildwirkung – was Sie essen und wie Sie essen. Die Mahlzeit hat einen Anfang und ein Ende, am besten in entspannter Atmosphäre, ohne Medienkonsum nebenbei.“

Wirksame Präventivmaßnahme der Medizin – Impfen schützt!

„In den ersten Monaten sind Säuglinge vor vielen Erkrankungen nicht geschützt, es sei denn, sie verfügen über einen Nestschutz, welcher durch durchgemachte Infektionen oder entsprechende Impfungen der Mutter entsteht. Deshalb ist es wichtig, bereits vor oder spätestens in der Schwangerschaft den Impfstatus der werdenden Mutter zu erheben.“ So wurde in den letzten Jahren eine Impfempfehlung für Influenza in der Grippesaison bzw. für Keuchhusten für werdende Mütter im zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittel ausgesprochen. Neben einer verbesserten Ernährungs- und Hygienesituation konnte im letzten halben Jahrhundert durch das standardisierte Impfprogramm die Säuglingssterblichkeit deutlich herabgesetzt werden. „Bei einer Durchimpfungsrate von 95 Prozent könnte man heute manche Erkrankungen, wie Masern, Mumps, Röteln, oder auch Hepatitis B, überhaupt ausrotten“, beschreibt die Kinderärztin das Potenzial des Impfschutzes. 

Wichtige Verhaltens­maßnahmen gegen den plötzlichen Kindstod 

Durch Aufklärung und entsprechende Verhaltensmaßnahmen konnte in den letzten Jahrzehnten das Auftreten des plötzlichen Kindstods deutlich – auf ein Zehntel – reduziert werden. „Manchmal kommt es vor, dass scheinbar gesunde Kinder zwischen dem ersten und dem zwölften Lebensmonat plötzlich versterben“, so die Kinder- und Jugendmedizinerin. Dabei bleibt die Ursache ungeklärt, ein Zusammentreffen mehrerer ungünstiger Faktoren wird angenommen. „Heute weiß man, dass es besser ist, Säuglinge auf dem Rücken und nicht in Bauchlage schlafen zu lassen – am besten in einem Schlafsack, ohne Kuscheltiere und Kopfkissen.“ Die optimale Raumtemperatur liegt bei 18 Grad, im Haushalt sollte nicht geraucht werden. Stillen trägt ebenso zur Risikosenkung bei. Auch wird dem Schnuller, zumindest bei nicht gestillten Kindern, eine protektive Wirkung zugeschrieben. Die Babys sollten in den ersten sechs Monaten unbedingt im Elternschlafzimmer, zum Bespiel in einem Zustellbett mit fester luftdurchlässiger Matratze, untergebracht sein. 

„Kinder auf ihrem Weg zu begleiten, ist eine schöne, aber herausfordernde Aufgabe; sie in ihrem Bestreben zur Autonomie zu unterstützen, ihnen Grenzen und gleichzeitig eine sichere Basis zu geben, eine elterliche Kunst“, resümiert die Kinder- und Jugendmedizinerin.

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