Pflege Stützpunkt

Krisensicherer Pflegeberuf

Gerade in Krisenzeiten zeigt es sich einmal mehr: Niemand weiß, wie sich die Wirtschaft entwickelt. Doch gibt es einige Jobs, die als absolut krisensicher gelten. Das betrifft vor allem den Gesundheitsbereich, in welchem Fachkräfte mit Erfahrung jederzeit gebraucht werden. Wir Österreicher werden immer älter – deshalb wird der Bedarf an Pflegekräften weiterhin kontinuierlich steigen.

 

Ob zuhause oder im Heim, auf der Krankenhausstation, im OP oder im Intensivbereich, die Gesundheits- und Krankenpflege ist ein vielseitiges und durchaus spannendes Berufsfeld. Was heute als unbezahlbares Plus gilt: Die Tätigkeit ist sinnstiftend, der Beruf wertvoll. Für Evelyn Neuhauser war dieser Aspekt ausschlaggebend dafür, dass sie den Pflegeberuf vor mittlerweile 25 Jahren ergriffen hat. „Bei einem Schnupperpraktikum habe ich erlebt, wie schön der Umgang mit Menschen ist“, denkt sie zurück.

Evelyn Neuhauser

 

„Pflege ist weitaus mehr ist als nur ein Job: Sie ist eine Herausforderung, für deren Bewältigung Wissen, Herz, Stärke und Menschlichkeit gefragt sind.“

Evelyn Neuhauser, BA MA
Pflegelehrerin am Ausbildungszentrum Wels

 

 

Während Grundlagen wie Empathie und Hilfsbereitschaft auch charakterabhängig sind, braucht es für Wissensaufbau Ausbildung und Erfahrung, Theorie und Praxis. Seit 2006 gibt Neuhauser ihr Wissen als Lehrerin am Ausbildungszentrum in Wels weiter. Die Unterrichtsmethoden sind dort modern ausgerichtet und am Puls der Zeit. So können Lernmodule auch in Ausnahmezeiten wie der Corona-Krise effizient durchgeführt werden. Jungen Interessenten rät die Pflegelehrerein, sich keinesfalls von Negativschlagzeilen beeinflussen zu lassen und sich selbst ein Bild „von diesem sinnstiftenden, schönen und breitgefächerten Beruf“ zu machen.

Warum sich junge Menschen für die Pflege entscheiden

Jennifer Ille absolviert derzeit am Ausbildungszentrum Wels das Upgrade von der Pflegeassistenz zur Pflegefachassistenz. Die 27-jährige Thalheimerin war bereits seit 2012 als Pflegeassistentin im Bereich der Inneren Medizin am Klinikum Wels-Grieskirchen tätig und hat mehrere Aus- und Weiterbildungen besucht. Ille ist es wichtig, sich weiterzuentwickeln. Die Pflege bietet ihr eine Vielzahl an Möglichkeiten dazu. Sie berichtet von ihren Erfahrungswerten.

Frau Ille, was bedeutet Pflege für Sie?

Jennifer Ille

Viele Menschen denken bei Pflege an „Körper- oder Intimpflege“. Natürlich ist das ein Teil der Arbeit. Aber Pflege ist viel mehr. Professionelle Pflege ist Arbeiten nach neusten wissenschaftlichen Kenntnissen und Pflegestandards. Dazu zählen auch kontinuierliche Fort- und Weiterbildung. Es ist die Versorgung von Neugeborenen genauso wie die Begleitung Schwerkranker und Sterbender.

Pflege ist abwechslungsreich und spannend, aber auch stressig und fordernd. Die Arbeit am Menschen bedeutet ebenso, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, zuzuhören, die Hand zu halten, gemeinsam zu lachen und auf Bedürfnisse einzugehen. Dabei ist für mich am wichtigsten: So zu pflegen und zu betreuen, wie ich selbst auch von anderen gepflegt und betreut werden möchte.

Warum haben Sie sich für die Ausbildung zur Pflegefachassistenz entschieden?

Der Lehrgang zur Pflegefachassistentin ist eine Chance, Neues zu lernen und mir bereits Bekanntes zu vertiefen. Ich kann damit meine fachliche Kompetenz erweitern, um pflegerisch noch umfassender arbeiten zu können. Ich empfinde die Abwechslung aus Theorie und Praxis als angenehm und effektiv. Im Schulblock, der ca. drei bis vier Monate dauert, können wir uns ausschließlich auf die Schule konzentrieren. Anschließend beginnt das Praktikum, in dem wir das in der Theorie Gelernte auch gleich umsetzen können.

Im Ausbildungszentrum geht der Unterricht trotz Corona nahtlos weiter. Wie kann man sich das vorstellen?

Wir arbeiten mit der Online-Lernplattform „Moodle“ inklusive Chat-Funktion sowie mit LearningApps. Auch Webkonferenzen via „Zoom“ haben wir zu bestimmten Lerninhalten bereits abgehalten. Für mich persönlich waren die ersten zwei Wochen sehr herausfordernd. Ohne den Kontakt zu Mitschülern und Vortragenden zu lernen, ist ungewohnt. Das Einlesen in eine Materie nimmt wesentlich mehr Zeit in Anspruch als direkter Unterricht durch einen Vortragenden. Mittlerweile hat es sich aber gut eingependelt.

Sind Sie froh, einen krisensicheren Beruf gewählt zu haben?

Auf jeden Fall. Ich finde es beruhigend zu wissen, auch in Zukunft einen sicheren Job zu haben. Noch dazu weil er mir Freude bereitet. Natürlich ist es in der aktuellen Situation nicht immer einfach, in der Pflege zu arbeiten. Krisensicherheit ist zukünftig sicher ein noch größerer Faktor in der Berufswahl, auch wenn mit so einer Situation nicht zu rechnen war.

Was empfehlen Sie jungen Menschen, die eine Ausbildung im Pflegebereich andenken?

Wie auch vor der Entscheidung zu anderen Berufsausbildungen, sollte man vorab in den Arbeitsalltag hineinschnuppern. Eine Ausbildung im Pflegebereicht ist zeitintensiv und fordernd, deshalb sind einerseits gute Einteilung und Organisation beim Lernen wichtig, um den Überblick zu behalten, andererseits aber auch das bewusste Zeitnehmen für private Interesse, um für den nötigen Ausgleich zu sorgen. Nach Abschluss der Ausbildung gilt es, nie das Einfühlungsvermögen zu verlieren, nicht in Routine zu versinken und immer bereit zu sein für Neues.

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