Von der KHK zum Herzinfarkt

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Bild im Herzkatheterlabor

Von der KHK zum Herzinfarkt

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen in Österreich nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen. Rund 30.000 Menschen erleiden jedes Jahr einen akuten Herzinfarkt – oft als Folge einer koronaren Herzerkrankung (KHK). Eine frühzeitige Diagnose, eine strukturierte Notfallversorgung und moderne Therapieformen verbessern die Prognose maßgeblich. Das Klinikum Wels-Grieskirchen setzt dabei auf ein überregionales Herzinfarktnetzwerk, das medizinische Höchststandards mit digitaler Kommunikation verbindet.

Die Herzkrankzgefäße (Koronararterien) versorgen den Herzmuskel mit Sauerstoff. Lagern sich über Jahre hinweg Fett und Kalk an ihren Innenwänden ab, spricht man von Arteriosklerose als Ursache der koronaren Herzkrankheit. "Die sogenannten Plaques verengen die Gefäße zunehmend und behindern die Blutversorgung des Herzens. Im schlimmsten Fall kann ein Gerinnsel ein bereits verengtes Gefäß plötzlich verschließen – dann spricht man von einem akuten Herzinfarkt", erklärt Ronald Binder, Leiter der Abteilung für Innere Medizin II, Kardiologie und Intensivmedizin am Klinikum Wels-Grieskirchen.

Warnzeichen ernst nehmen

Typisch für eine stabile KHK ist die sogenannte Angina pectoris – ein Engegefühl in der Brust, das bei körperlicher Belastung oder Stress auftritt und im Ruhezustand nachlässt. Oft ist es begleitet von Atemnot, Brennen oder Schmerzen, die bis in den Arm oder Kiefer ausstrahlen. Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes oder Übergewicht begünstigen die Entstehung. Die Folgeerkrankungen reichen von Herzinsuffizient über Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzinfarkt.

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Portraibild von Primar Priv.-Doz. Dr. Binder

 

"Ziel der Behandlung ist es, die Symptome zu lindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und das Risiko für Komplikationen zu senken."

Prim. Priv.-Doz. Dr. Ronald K. Binder, Leiter der Abteilung für Innere Medizin II, Kardiologie und Intensivmedizin am Klinikum Wels-Grieskirchen

Neben Medikamenten und möglichen Eingriffen wie einer Ballondilatation oder Bypass-Operation sind auch Lebensstilfaktoren entscheidend. Eine herzfreundliche Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Nikotin können den Verlauf positiv beeinflussen.

Symptome erkennen und rasch handeln

Kommt es zum vollständigen Verschluss eines Herzkranzgefäßes, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Klassische Anzeichen für einen Herzinfarkt sind starke, anhaltende Schmerzen in der Brust, die in Arme, Kiefer, Rücken oder Bauch ausstrahlen können. Auch Atemnot, Übelkeit, Kaltschweiß, Schwindel oder plötzliche Bewusstlosigkeit können auftreten. „Diese Symptome dürfen keinesfalls ignoriert werden. Wählen Sie sofort den Notruf 144“, betont Binder. „Besonders bei Frauen oder Menschen mit Diabetes verläuft der Infarkt oft mit untypischen Beschwerden wie Unwohlsein oder Atemnot – gerade deshalb ist Aufmerksamkeit so wichtig.“

Zeit ist Herzmuskel

Je schneller ein verschlossenes Gefäß wieder geöffnet wird, desto größer ist die Chance, den Herzmuskel zu retten. In der kardiologischen Notfallversorgung gilt deshalb das Motto: Zeit ist Herzmuskel. Um wertvolle Minuten zu sparen, setzt das Klinikum Wels-Grieskirchen auf eine innovative Versorgungsstruktur: Seit 2018 läuft in Kooperation mit dem Oberösterreichischen Roten Kreuz ein digitales Herzinfarktnetzwerk, das den Informationsfluss vom Einsatzort bis ins Herzkatheterlabor optimiert. „Bereits während der Anfahrt übermittelt das Notarztteam das EKG des Patienten elektronisch an unsere Abteilung“, erklärt Binder. „Dadurch können wir frühzeitig die Diagnose stellen und im Herzkatheterlabor alles für die sofortige Behandlung vorbereiten.“ In den meisten Fällen erfolgt der Eingriff mittels Herzkatheter und Stent-Implantation. Bei komplexer Anatomie kann auch eine Bypass-Operation nötig sein.

Lückenlose Kommunikation rettet Leben

Der strukturierte Ablauf umfasst mehrere digital unterstützte Schritte – von der Erstellung des EKGs durch das Notfallteam über die elektronische Übertragung an die Kardiologie bis hin zur telefonischen Absprache mit dem diensthabenden Kardiologen. "Diese lückenlose Kommunikation zwischen Rettung und Klinik verkürzt die Zeit bis zur Behandlung deutlich. Und jede Minute zählt, wenn es darum geht, bleibende Schäden zu vermeiden oder Leben zu retten", sagt Binder.

Das Herz durch Prävention stärken

Herzinfarkte entstehen meist bei einer bisher unbekannten KHK. Umso wichtiger ist es, die Risikofaktoren zu kennen und gezielt gegenzusteuern. "Ein gesunder Lebensstil kann einen enormen Unterschied machen – auch im Hinblick auf die Lebensqualität", betont der Kardiologie. Wer regelmäßig in Bewegung bleibt, nicht raucht, sich ausgewogen ernährt, Stress abbaut und bei familiärer Vorbelastung frühzeitig ärztliche Kontrollen wahrnimmt, kann das persönliche Risiko deutlich senken. Empfohlen werden mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche bei mittlerer Intensität. Orientierung für eine herzfreundliche Ernährung bietet die österreichische Ernährungspyramide.

 

Bildquelle: Klinikum Wels-Grieskirchen/Nik Fleischmann
Stand: August 2025

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