Mein Leben nach dem Herzinfarkt

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Patient am Ergometer

Mein Leben nach dem Herzinfarkt

Rund 95 Prozent der Patienten, deren Herzinfarkt rasch erkannt und die sofort im Krankenhaus behandelt werden, überleben mit gutem Ergebnis. Entscheidend ist die rasche Akutversorgung. Danach unterstützt die Rehabilitation dabei, körperliche Belastbarkeit und das Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen. Michael Porodko, Kardiologe am Klinikum Wels-Grieskirchen und an der Partnereinrichtung Reha Wels, erklärt, worauf es für eine langfristige Herzgesundheit ankommt.

„In der Akutversorgung stehen die Herzkatheteruntersuchung mit Wiedereröffnung verschlossener Herzkranzgefäße, die optimale medikamentöse Therapie sowie die Behandlung an der kardiologischen Intensivstation im Mittelpunkt“, sagt Porodko. „Im weiteren Verlauf geht es um die konsequente Einnahme der Medikamente, die Behandlung einer möglichen Herzschwäche und die Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren.“

„So habe ich den Herzinfarkt erlebt"

Wie einschneidend ein Herzinfarkt ist, erinnert sich ein Patient der kardiologischen Reha Wels: „Meinen Herzinfarkt hatte ich während eines Urlaubs in Italien. Es begann mit starkem Schwitzen und einem Gefühl, dass an diesem Tag mein Leben zu Ende gehen könnte. Ich habe so lange durchgehalten, bis ich im Rettungswagen war und meine Kinder mich nicht mehr sehen konnten. Dann wurde es dunkel. Ich musste mehrfach reanimiert werden. Mein Gefühl war, immer wieder da zu sein und dann wieder wegzudriften. Aber ich habe es geschafft und konnte wieder zu meiner Familie nach Hause zurückkehren.“ Die Akutversorgung war dabei nur ein Teil des Weges. „Die atherosklerotische Herzkrankheit ist eine chronische Erkrankung, die eine konsequente medikamentöse Therapie und die Optimierung der Risikofaktoren durch Lebensstilmodifikation verlangt – diese Maßnahmen sind für Patienten oftmals schwierig durchzuhalten, deshalb ist professionelle Unterstützung empfehlenswert“, so Porodko. „Zu Beginn wollte ich nicht wahrhaben, was passiert war. Als mir bewusst wurde, wie ernst die Situation gewesen ist, brach für mich eine Welt zusammen. Nur mit der Unterstützung meiner Familie konnte ich langsam wieder Hoffnung schöpfen", erzählt der Patient. Er entschied sich für eine ambulante kardiologische Rehabilitation in Wels. „Ich wollte mich endlich wieder sicher fühlen. Die Angst vor einem weiteren Herzinfarkt und das fehlende Vertrauen in meinen Körper waren sehr stark.“

Belastbarkeit gezielt aufbauen

„Den Infarkt nicht nur zu überleben, sondern mit guter Lebensqualität in die Zukunft zu gehen, ist oberste Priorität in der Rehabilitation“, so Porodko. „Den größten Einfluss für eine langfristige Herzgesundheit haben Rauchstopp, Gewichtskontrolle, regelmäßiges moderates Training – optimal sind 150 bis 300 Minuten pro Woche – sowie gesunde und ausgewogene Ernährung.“ In der Reha Wels wird das Training individuell geplant und unter medizinischer Aufsicht begonnen. Grundlage ist eine ärztliche Ergometrie, die genaue Watt- und Pulswerte liefert. Während des Trainings werden Herzfrequenz, Blutdruck und EKG per Telemetrie überwacht. „Regelmäßiges Training ökonomisiert die Herzarbeit und senkt den Sauerstoffbedarf des Herzens bei Belastung“, ergänzt Fabienne Meschuh, Sportwissenschafterin und Trainingstherapeutin an der Reha Wels. „Bewegung wirkt sich zudem auf Blutdruck, Blutzucker und Cholesterinwerte aus und trägt zur Reduktion des Risikos für einen Folgeinfarkt bei.“ Schon nach zwei Wochen Reha berichten Patienten von deutlich weniger Belastung beim Stiegensteigen. „Der Ruhepuls und der Belastungspuls sinken spürbar, das Herz arbeitet messbar ökonomischer. Alltagsaktivitäten wie Gartenarbeiten, Hausarbeiten fallen wieder leicht.“ Aber was hilft den Betroffenen am meisten, dauerhaft aktiv zu bleiben? „Der Beitritt zu einer lokalen Herzsportgruppe oder einem wohnortnahen Fitnessstudio bietet soziale Bindung und Sicherheit. Am besten wählen Patienten eine Sportart, die ihnen Spaß macht – sei es Wandern, Radfahren, Tanzen oder Schwimmen.“

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Rehabilitation

Wieder in den eigenen Körper vertrauen

Neben der körperlichen Leistungsfähigkeit ist die psychische Verarbeitung des Herzinfarkts wichtig. „Plötzlich wird der eigene Körper, der vorher selbstverständlich funktioniert hat, als verletzlich und unberechenbar erlebt“, erklärt die Klinische Psychologin Nicole Grabner. Ängste vor einem neuerlichen Herzereignis seien häufig. „Kardiopsychologische Unterstützung setzt beim Verständnis dieser Ängste an und stärkt Vertrauen und Zuversicht in die eigene Handlungsfähigkeit. Was sage ich Patienten, die das Gefühl haben, dass ihr Leben nie wieder wie vorher sein wird? Dass das Gefühl verständlich ist. Und vielleicht muss auch nicht mehr alles so werden wie vorher. Entscheidend ist, dass das Leben so wird, dass sich der Patient zufrieden fühlt“, so Grabner. Auch Angehörige spielen eine wichtige Rolle. „Sie geben Sicherheit, wenn sie Patienten zu Untersuchungen begleiten und zur Bewegung motivieren. Gleichzeitig braucht es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Unterstützung und Selbstständigkeit. Und Herzereignisse betreffen das gesamte familiäre System – auch Partner, Kinder und Bezugspersonen sollten die Möglichkeit haben, über eigene Ängste zu sprechen.“

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Patient und Reha-Team

Kleine, aber wichtige Schritte im Alltag

„Ich habe mit dem Rauchen aufgehört, betreibe regelmäßig Sport und versuche, Stress so gut wie möglich zu vermeiden“, berichtet der Patient. Auch Ernährung und gemeinsame Zeit mit der Familie haben seither einen anderen Stellenwert. „Herzgesunde Ernährung kann abwechslungsreich, lecker und vor allem bunt sein“, sagt Diätologin Gabriele Hofko. „Je vielfältiger die Farben auf dem Teller, desto größer ist meist auch die Auswahl an Gemüse und Obst. Kombiniert mit Vollkornprodukten, Nüssen, Fisch und pflanzlichen Ölen entstehen einfache, genussvolle Mahlzeiten, die Herz und Körper guttun.“ Bereits eine zusätzliche Portion Gemüse oder Salat, Wasser statt Limonaden oder häufiger selbst zubereitete Mahlzeiten seien einfache Schritte. „Entscheidend ist, dass die Veränderungen dauerhaft in den Alltag passen. Eine Jause zuhause vorzubereiten ist eine gute Möglichkeit an stressigen Tagen – zum Beispiel ein Vollkornbrot mit Aufstrich, ein Müsli mit Joghurt und Obst oder eine Handvoll Nüsse."

Die größte Herausforderung und ein guter Rat

„Meine Angst vor einem erneuten Herzinfarkt war die größte Herausforderung. In den ersten Monaten habe ich mein Haus praktisch nur für Arztbesuche und die Reha verlassen. Es hat lange gedauert, bis ich wieder Vertrauen in meinen Körper gewinnen konnte“, so der Patient. „Besonderen Mut hat mir die stetige Steigerung meiner Leistungsfähigkeit gemacht.“ Sein Rat: „Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie für Ihre Genesung brauchen! Schauen Sie nach vorne und nicht zurück. Geben Sie sich selbst die Chance, Schritt für Schritt wieder Vertrauen in Ihren Körper zu gewinnen. Und beenden Sie den Raubbau an Ihrem Körper – sei es durch Rauchen, ungesunde Ernährung oder zu viel Stress!“

 

Bilder: ©Klinikum Wels-Grieskirchen/Nik Fleischmann
Stand: Oktober 2026

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