Blaue Schleife

Früh erkanntes Prostatakarzinom heilbar

In westlichen Industrieländern ist das Prostatakarzinom die am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung beim Mann, noch vor dem Darm‐ und Lungenkarzinom. Rund 5.000 bösartige Tumore der Vorsteherdrüse werden in Österreich derzeit pro Jahr diagnostiziert.

Eine Krebserkrankung der Prostata betrifft Männer vor allem ab dem fünfzigsten Lebensjahr. „Zwar erkranken viele Männer daran, aber die Heilungschancen sind sehr hoch“, sagt Alexandre Pelzer, Leiter der Abteilung für Urologie am Klinikum Wels‐Grieskirchen. „Ausschlaggebend ist, für jeden einzelnen Patienten die Diagnose individuell zu erstellen, um möglichst frühzeitig eine maßgeschneiderte Therapie einleiten zu können.“

Symptomlos im Anfangsstadium

In dem Stadium, in welchem Prostatakrebs behandel‐ und heilbar ist, verursacht er keine Beschwerden. „Das macht ihn gefährlich und heimtückisch“, erklärt Pelzer. Symptome, wie zu spätes oder schmerzhaftes Wasserlassen, mit oder ohne Blutbeimengung, oder auch das Gefühl, dass die Blase nicht ganz leer wird, sind meist einer gutartigen Vergrößerung der Prostata zuzuschreiben. „Beim bösartigen Prostatakrebs selbst treten sie erst auf, wenn der Tumor bereits in umliegende Organe, Gewebe und Knochen abgesiedelt hat. Ein Prostatakarzinom im Früh‐ und damit heilbaren Tumorstadium kann deshalb nur im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung entdeckt werden.“

Gute Heilungschancen durch Früherkennung

Prim. Prof. Dr. Alexandre Pelzer, FEBU

„Solange wir den Krebs erkennen, wenn er noch auf die Prostata begrenzt ist, haben wir wirklich gute Chancen, ihn zu heilen!“

Prim. Prof. Dr. Alexandre Pelzer, FEBU, Leiter der Abteilung für Urologie am Klinikum Wels‐Grieskirchen

Die Früherkennung ist durch die Bestimmung des PSA‐Wertes im Blut und eine Tastuntersuchung möglich. Bestätigt werden kann die Diagnose durch Gewebsproben mittels Biopsien.

Klinikum bietet Hightech in Diagnostik

Bei einer auffälligen Befundkonstellation wird vorerst eine systematische Probenentnahme der Prostata durchgeführt. Lässt diese Untersuchung keine Rückschlüsse auf eine bösartige Erkrankung zu und besteht aber weiterhin ein Verdacht, wird im Klinikum Wels‐Grieskirchen auf die innovative Methode der MRT‐Ultraschall‐fusionierten Prostatabiopsie zurückgegriffen. Hier besteht die Möglichkeit, eine der modernsten Magnetresonanztomografien durchzuführen. Diese Untersuchung zeigt nicht nur, wo die Zellen sind, sondern auch, ob sie sich auffällig verhalten. Anschließend werden die Bilder in die Ultraschallgeräte eingespielt. „Mit Hilfe einer am Gerät fixierten Magnetsonde wird die Position des Ultraschallkopfes im dreidimensionalen Raum ermittelt, die Bilder des Ultraschalls und des MRT werden exakt fusioniert. So kann im verdächtigen Gewebe punktgenau biopsiert werden“, erklärt der Spezialist für Uroonkologie die innovative Technik der Gewebsprobenentnahme.

Innovative OP‐Technologien

Ist ein operativer Eingriff aufgrund der Diagnosestellung notwendig, stehen im Klinikum Wels‐Grieskirchen modernste Technologien zur Verfügung. „Eine der vielen möglichen Therapien des Prostatakarzinoms ist die Operation. Früher hat man die Patienten offen operiert, heute passiert das mit hochqualitativen Methoden laparoskopisch und robotisch unterstützt“, weist Pelzer auf die Vorteile des am Klinikum abteilungsübergreifend genutzten Operationsroboters da Vinci hin. „Durch diese technische Errungenschaft ist es möglich, potenz‐ und kontinenzerhaltend zu operieren sowie mögliche Komplikationen und den Krankenhausaufenthalt zu verringern.

OP nicht immer notwendig

Ein chirurgischer Eingriff ist aber nicht immer die erste Wahl in der Behandlung des Prostatakarzinoms. „Jede Therapie muss individuell für jeden Patienten abgeklärt werden. Entscheidend ist vor allem die Ausdehnung der bösartigen Veränderung, ob sie sich noch innerhalb oder schon außerhalb der Prostata befindet“, sagt der neue Welser Urologie‐Primar. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Pathologie wird am Klinikum Wels‐Grieskirchen die Art des Krebses genau charakterisiert, nach einer internationalen Einstufung bewertet und die bestmöglichen Therapieform gesucht – auch außerhalb der Urologie. „Je nachdem, wie aggressiv dieser Krebs ist, kann man verschiedene Therapieoptionen anbieten – die Bandbreite reicht von der aktiven Überwachung über medikamentöse Behandlung, Chemotherapie und Bestrahlung bis hin zur Operation.“ Ein großer Vorteil des Hauses ist, dass im Rahmen des interdisziplinären Tumorboards alle Fälle besprochen werden und somit für jeden einzelnen das beste Therapiekonzept, auch mit mehreren Optionen in Kombination, erarbeitet wird. Von zentraler Bedeutung für die Therapieauswahl und ‐planung ist, in welchem Stadium sich der Krebs bei der Erstdiagnose befindet.

 

Tipp: Informieren Sie sich persönlich beim Klinikum Wissensforum | Fokus: Krebs am 11. November 2016, 16:00 Uhr, Klinikum‐Standort Wels.