Aromapflege

Aromapflege

Palliativpatienten benötigen umfangreiche pflegerische Betreuung, denn belastende Symptome, wie Schmerzen, Übelkeit oder Atemnot, bedürfen komplexer therapeutischer Maßnahmen. Auch die Aromapflege ist fixer Bestandteil des Pflegealltags auf der Palliativstation – neben Zuwendung und Linderung vermag sie aber noch mehr: Neueste Untersuchungen zeigen, dass zum Beispiel eine Raumbeduftung zu einer Abnahme der Keimzahl führen kann.

 

Im Palliativbereich findet die Aromapflege zahlreiche Anwendungsformen. „Bei bettlägerigen Patienten starte ich den Tag oft mit einer Waschung. Der pflegende Effekt, der gute Duft und die Wärme wirken entspannend, sodass viele Patienten dabei noch einmal einschlafen“, erzählt Alicia Lanzerstorfer, diplomierte Pflegekraft auf der Palliativstation am Klinikum Wels-Grieskirchen. Voraussetzung dafür ist das Einverständnis des Patienten oder von dessen Angehörigen. „Im Laufe des Tages folgen Einreibungen zur Prophylaxe sowie regelmäßige Mundpflege. Im Nachtdienst mache ich bei unruhigen Patienten eine Handstreichung mit einer entspannenden Ölmischung – das wirkt fast immer.“

Pflege und Wirkung über
die Haut

Bei Anwendungsformen der Aromapflege, wie Streichungen, Waschungen oder Einreibungen, wirken die Aromapflegeprodukte über die Haut. Die Verträglichkeit wird vorab getestet.

Alicia Lanzerstorfer

„Wir verwenden Ölmischungen aus fetten Pflanzenölen, wie Mandelöl, und einer Zugabe von ätherischen Ölen. Neben dem pflegenden Aspekt wirken sie je nach Zusammensetzung zusätzlich appetitanregend, verdauungsfördernd, durchblutungsfördernd, atemunterstützend oder schlaffördernd.“

DGKP Alicia Lanzerstorfer, BScN, Aromapflegeexpertin

 

 

Sehr gute Erfahrungen mit Aromapflege hat Lanzerstorfer auch bei sehr verschlossenen Patienten gemacht, zu welchen man sonst schwer Zugang findet. „Wenn diese durch ihre schwere Erkrankung gekennzeichneten Patienten nach mehrmaligem Angebot einer Rückeneinreibung zustimmen, sind sie danach meist viel offener, sodass gute Gespräche möglich sind. Oft fließen auch Tränen, die den Patienten Erleichterung bringen.“

Forschungsgegen­stand Aromapflege

In Patientenzimmern finden ätherische Öle ihre Anwendung auch in der Geruchsneutralisierung. „Angehörige und Besucher empfinden Gerüche im Krankenzimmer meist als unangenehm und verweilen daher nicht lange oder kommen selten“, erklärt die Expertin für Aromapflege. „Ein angenehmer frischer Duft wird hingegen als einladend empfunden.“ Einige ätherische Öle weisen zudem eine keimhemmende Wirkung auf. Auf Anregungen von Lanzerstorfer wurden im Zeitraum Herbst 2016 bis Sommer 2017 drei Bachelorarbeiten von Studierenden der FH OÖ, Campus Wels, über Auswirkungen der Raumbeduftung mit ätherischen Ölen auf die Keimzahlen und die Raumluft durchgeführt. Gemessen wurde dabei jeweils zu vier Zeitpunkten in Patientenzimmern der Palliativ- und Neurologiestation vor und nach der Raumbeduftung. Festgestellt werden konnte eine signifikante Reduktion der Keimzahl in der Raumluft nach der Beduftung mit Zitronen- und Weißtannenöl.

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