v.l.n.r. Prim. Dr. Eckmayr, Univ.-Doz. Dr. Tomaselli, Patientin, Prim. Priv.-Doz. Dr. Knotzer, OA Dr. Kolb
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Spezial-OP bei Lungenkrebs gelungen

Lungenkrebs – mit dieser Diagnose sah sich eine 60-jährige Patientin aus Liezen vor sieben Jahren konfrontiert. Nach der Entfernung des gesamten rechten Lungenflügels sowie einer anschließenden Strahlen- und Chemotherapie erholte sich die Patientin sehr gut. Sieben Jahre später wurde erneut Lungenkrebs – im verbliebenen linken Lungenflügel – im Frühstadium diagnostiziert und sie wurde an der Lungenabteilung des Klinikum Wels-Grieskirchen vorstellig. Nach ausführlicher interdisziplinärer Planung und auf Grund der guten Prognose wurde gemeinsam entschieden, den Tumor operativ zu entfernen. Da bei diesem Eingriff keine Beatmung auf Grund des fehlenden rechten Lungenflügels möglich war, konnte mit der ECMO die Versorgung mit lebensnotwendigem Sauerstoff während der OP übernommen werden. Die OP wurde genauestens geplant und konnte problemlos durchgeführt werden. Bereits eine Stunde nach Ende der OP hat die Patientin wieder normal geatmet. Anschließend erholte sich die Patienten im Zuge eines Rehaaufenthalts von der OP, ist mittlerweile jedoch schon wieder zu Hause.

 

Derartige hochkomplexe Eingriffe wie dieser konnten in Kooperation zwischen dem Klinikum Wels-Grieskirchen und Kepler Universitätsklinikum in den letzten zwei Jahren bereits drei Mal erfolgreich durchgeführt werden. Bisher ist in Österreich nur ein weiterer erfolgreicher Eingriff am AKH Wien bekannt.

Was bedeutet ECMO?

Bei der extrakorporalen Membran-Oxygenierung (ECMO) wird das venöse Blut außerhalb des Körpers in einer Maschine mit Sauerstoff angereichert und dann in das Blutgefäßsystem zurückgeleitet. Das Verfahren funktioniert also wie eine externe Lunge. Weil der Gasaustausch bei der ECMO außerhalb des Körpers erfolgt, kann sich die Lunge der Patientin bzw. des Patienten besser erholen, da die Beatmung so schonender ist.

Wie funktioniert die ECMO im Detail?

Ein ECMO-Gerät ist ein spezieller Oxygenator, genauer ein Membranoxygenator, der technisch einer Herz-Lungen-Maschine gleicht. Mit Hilfe einer Pumpe wird über einen großen Gefäßkatheter kontinuierlich eine definierte Blutmenge pro Minute aus dem Körper der Patientin bzw. des Patienten durch einen Membran-Oxygenator gepumpt. Dieser Oxygenator ersetzt den Gasaustausch in der Lunge. Er entfernt Kohlendioxid aus dem Blut und reichert es mit Sauerstoff an. Nach der Passage des Oxygenators gelangt das aufbereitete Blut über einen weiteren großen Gefäßkatheter zurück in den Blutkreislauf des Patienten.
Zur Durchführung der ECMO müssen große Kanülen durch die Haut in zentrale Gefäße des Körpers eingeführt werden – am Hals und/oder in den Leisten. Durch diese Kanülen werden bei einem Erwachsenen etwa drei bis fünf Liter Blut pro Minute aus dem Körper herausgeleitet und durch Membranlungen gepresst, in denen der Gasaustausch stattfindet. Die ECMO sichert nicht nur COVID-Patienten sondern auch in ganz speziellen Situationen Lungentumorpatienten das Überleben.

Interdisziplinäre Teamarbeit und Vernetzung ist Voraussetzung

Der Eingriff bei dieser Patientin hätte ohne der ECMO nicht durchgeführt werden können. Derartige hochkomplexe Eingriffe erfordern immer multidisziplinär getragene Entscheidungen und Vorgangsweisen, die im Tumorboard getroffen werden. In den regelmäßig stattfindenden Tumorkonferenzen werden für jeden Patienten individuelle Behandlungspläne erarbeitet.
„Die Behandlung bei Lungenkrebs ist komplex und bedarf der Zusammenarbeit von Spezialisten verschiedener Fachrichtungen – Thoraxchirurgie, Lungenheilkunde, Anästhesie, Intensivmedizin, Kardiotechnik, Pflege, Physiotherapie, Psychotherapie und viele mehr. Um Lungenkrebspatienten eine optimale Behandlung anhand der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Therapierichtlinien garantieren zu können, betreiben wir am Kepler Universitätsklinikum intensive Forschungsarbeit. Die hervorragende standortübergreifende Zusammenarbeit von Klinikum Wels-Grieskirchen und Kepler Uniklinikum unterstützt diesen Weg,“ sagt Univ.-Prof. Dr. Andreas F. Zierer, Vorstand der Universitätsklinik für Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie am Kepler Universitätsklinikum Linz und Klinikum Wels-Grieskirchen.

Perfekte Zusammenarbeit von Klinikum Wels-Grieskirchen und Kepler Uniklinikum Linz

„An beiden Standorten finden sich hochspezialisierte Lungenzentren. Eine umfassende Abklärung im Rahmen der Diagnosestellung ist für die optimale Therapieplanung entscheidend und kann durch hohe Erfahrung und Expertise gewährleistet werden“, sagt Prim. Dr. Josef Eckmayr, Abteilung für Lungenkrankheiten am Klinikum Wels-Grieskirchen.

 

OA Dr. Rainer Kolb

„Die direkte Kommunikation zwischen den beteiligten medizinischen Fachrichtungen bedeutet bestmögliche Versorgung auch komplexer Krankheitsbilder. Gerade dieser Fall zeigt, wie wichtig eine interdisziplinare Zusammenarbeit ist, um das bestmögliche Vorgehen für die Patientinnen und Patienten zu planen und dann auch mit Erfolg umzusetzen.“

OA Dr. Rainer Kolb, Abteilung für Lungenkrankheiten am Klinikum Wels-Grieskirchen.

 

Das Team des Instituts für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum Wels-Grieskirchen unter der Leitung von Prim. Priv.-Doz. Dr. Johann Knotzer ist maßgeblich am Erfolg derartiger komplexer Operationen beteiligt: „Vorab wurden aus den Vorbefunden der Lungenfunktionsuntersuchung und der Herz-Kreislaufuntersuchungen die benötigte Leistung der ECMO errechnet. Dabei ist es wichtig sicherzustellen, dass ein genügend großer Blutfluss den Körper bei eingeschränkter Lungendurchblutung mit Sauerstoff-angereichertem Blut durchströmt. Auch ist es von großer Bedeutung, die nach der Operation verbleibende Lungenkapazität vorab rechnerisch zu bestimmen, um eine gute Lebensqualität nach der Lungenoperation gewährleisten zu können. Diese Aufgabe und die Betreuung der Patientin durch die Operation und postoperativ auf der Intensivstation wurde von sehr erfahrenen Anästhesisten in der Thoraxchirurgie übernommen. Durch die exzellente intraoperative Zusammenarbeit mit den Chirurgen und unseren Kardiotechnikern konnten wir die Patientin noch am Operationstisch aus der Narkose aufwachen lassen und sie atmete wieder selbständig.“

Große Herausforderung für Patienten

„Lungenerkrankungen, die einen derartigen schwierigen chirurgischen Eingriff erfordern, stellen für diese Patienten und auch dem privaten Umfeld und die Familie eine hohe körperliche und seelische Belastung dar. Eine umsichtige und professionelle Nachsorge, insbesondere in Verbindung mit einer Rehabilitation, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine vollständige Genesung. Patientenorientierte Tumorbehandlung, und ein ergebnisorientiertes Arbeiten für die PatientInnen sind uns ein Herzensanliegen. Multidisziplinäre Teamarbeit in einem multiprofessionellen Team ist Voraussetzung und der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Univ.-Doz. Dr. Florian Tomaselli, MIM, Bereichsleiter Thoraxchirurgie am Kepler Universitätsklinikum und Klinikum Wels-Grieskirchen.

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