Pelzer im Gespräch
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Ultraschall zur gezielten Behandlung von Prostatakrebs

In westlichen Industrieländern ist das Prostatakarzinom die am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung beim Mann. Rund 5.000 bösartige Tumore der Vorsteherdrüse werden in Österreich derzeit pro Jahr diagnostiziert. Das Klinikum Wels‐Grieskirchen ermöglicht als erstes Krankenhaus in Österreich seinen Patienten nun auch die gezielte nicht‐invasive Behandlung mittels Ultraschallwellen. Die sogenannte HIFU‐Therapie wirkt mit hochintensiv fokussiertem Ultraschall auf den Prostatakrebs und schont gesundes Gewebe.

 

Prim. Prof. Dr. Alexandre Pelzer, FEBU

„Mit dieser neuen Technologie wird nur der Krebs selbst gezielt behandelt, nicht die ganze Prostata. Somit werden gesundes Gewebe und die umliegenden Nerven und Funktionen möglichst geschont.“

Prim. Prof. Dr. Alexandre Pelzer, FEBU

 

 

 

„Das HIFU‐Verfahren eignet sich vor allem für Patienten im frühen Krankheitsstadium und jene, die nicht operiert werden können. Auch Patienten nach bereits erfolgter Bestrahlung und örtlichem Wiederauftreten der Prostatakrebs‐Erkrankung kann diese Therapie helfen“, so der Urologe weiter.

Zielgenaue, schonende Therapie

Früher galt die erfolgreiche Krebsbekämpfung als das einzige Kriterium. Innovative Methoden ermöglichen heute auch den Erhalt der Lebensqualität. Die nicht‐invasive neue Therapieoption HIFU minimiert durch die millimetergenaue Anwendung das Risiko von Nebenwirkungen. Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU) bedeutet, dass Ultraschallwellen durch eine Art Hohlspiegel gebündelt werden. So entstehen Temperaturen von 85 bis 90 Grad Celsius, die das Tumorgewebe punktgenau „verkochen“.

Wie funktioniert HIFU?

Bevor die teilrobotische Behandlung startet, wird eine Sonde durch den Enddarm in die Nähe der Prostata gebracht. Zur präzisen Ortung des Krebsareals werden MRT‐Bilder des Patienten und die Ergebnisse der zuvor im Klinikum durchgeführten semirobotischen MRTUS‐Fusionsbiopsie eingespielt und mit dem Live‐Ultraschallbild überlagert. Sobald der Urologe mit der Planung fertig ist, erfolgt die fokale Behandlung automatisch und robotisch assistiert. Die entstehende Hitze zerstört das betroffene Tumorgewebe millimetergenau. Sicherheitseinstellungen garantieren, dass Planung und Umsetzung exakt übereinstimmen. Der Eingriff dauert zwischen dreißig Minuten und zwei Stunden.

Warum HIFU Focal One?

„Wir haben uns nach einem intensiven Auswahlprozess ganz bewusst für diese Art der fokalen Therapie entschieden“, erklärt Alexandre Pelzer. „Ausschlaggebend war unter anderem, dass mit dieser Therapie im Vergleich die meisten Erfahrungen bestehen und diese auch in den Leitlinien positiv hervorgehoben wird.“ Ein weiterer wichtiger Pluspunkt ist die Umsorgung durch den urologischen Experten – vor allem auch nach der Therapie: „Wir haben erreicht, dass auf Wunsch alle unsere Patienten an internationalen Studien teilnehmen können“, so Pelzer weiter. Er und sein Team arbeiten hier mit namhaften Universitätskliniken zusammen. „Besonders wichtig ist es uns, dass wir in der Urologie des Klinikum Wels‐Grieskirchen jetzt alle modernen Therapiemöglichkeiten des Prostatakarzinoms zur Verfügung haben, um wirklich eine unabhängige individuelle Therapie entwerfen zu können. Dafür ist es wichtig, dass sich die Therapien gegenseitig nicht behindern. So ist zum Beispiel nach einer HIFU‐Focal‐One‐Behandlung auch noch eine Da‐Vinci‐Operation der Prostata möglich – und das sogar mit Nerverhalt“, betont der Experte.

Diagnostik entscheidend

Damit eine Teilbehandlung der Prostata zum gewünschten Erfolg führt, muss bekannt sein, wo sich der Krebs innerhalb der Prostata befindet. „Um den Tumor so genau wie möglich zu diagnostizieren, kommt ein Hochfeld‐Magnet‐Resonanz‐Tomograph zum Einsatz“, erklärt Radiologe Siegfried Funk. „Auf den MRT‐Bildern können wir Hinweise auf Lage und Größe des Prostatakarzinoms erkennen und die Urologen darin unterstützen, ein möglichst genaues Behandlungsareal festzulegen. Der Urologe erstellt direkt vor der Behandlung ein aktuelles, hochauflösendes Ultraschallbild der Prostata und überlagert dieses mit dem MRT‐Bild.“ Dadurch erkennt er, welches Areal der Radiologe vorgeschlagen hat und optimiert danach den Behandlungsplan. Entscheidend ist, dass die Ergebnisse der semirobotischen MRT‐US‐Fusionsbiopsie direkt in die Focal‐One‐Behandlung einfließen.