Blutdruck selbst messen

Österreichischer Blutdruckkonsens 2019

Nach der US-amerikanischen Empfehlung 2017 und der Europäischen Empfehlung 2018 haben 13 österreichische medizinische Fachgesellschaften gemeinsam den Österreichischen Blutdruckkonsens erarbeitet und Ende 2019 veröffentlicht. Ausgangspunkt war die weiterhin verbesserungswürdige Blutdrucksituation in unserem Land: In mehreren großen Untersuchungen waren weniger als 50 Prozent der behandelten Patienten mit Bluthochdruck gut eingestellt. Eine Änderung kann nur durch eine gemeinsame nationale Anstrengung gelingen – der Blutdruckkonsens stellt den ersten Schritt dazu dar. Neben einer Verbesserung der Diagnostik wird die medikamentöse Behandlung vereinfacht. Besonders betont wird die Notwendigkeit von Erklärung und Schulung der Patienten, um die Mitarbeit bis hin zur Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit zu fördern. In diesem Zusammenhang haben Prävention und Früherkennung von beginnenden Schäden eine besondere Bedeutung.

 

„Die Definition der Hypertonie bleibt in Österreich gleich, das heißt, Bluthochdruck wird weiterhin erst ab 140 zu 90 diagnostiziert“, erklärt Thomas Weber, Kardiologe am Klinikum Wels-Grieskirchen, Past-Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie und Initiator des Projekts „Kennen Sie Ihr Gefäßalter?“. „Bluthochdruck sollte aber nicht alleine durch Ordinationsmessungen festgestellt werden. Wir in Österreich haben eine lange und gute Tradition der Selbstmessung und sollten diese noch ausbauen.“

Ab wann ist eine Therapie notwendig?

Der neue Blutdruckkonsens sieht weiterhin vor, bei der Mehrzahl der Patienten erst ab einem Blutdruck von 140 zu 90 eine Therapie einzuleiten. „Generell gilt aber: Bluthochdruck ist ein komplexes Krankheitsbild und die moderne Bluthochdrucktherapie muss persönlich auf den Patienten abgestimmt erfolgen – die Leitlinien setzen dafür nur einen groben Rahmen“, sagt Weber.

OA Priv.‐Doz. Dr. Thomas Weber

„Ob eine medikamentöse Blutdrucksenkung eingeleitet werden soll, hängt vom individuellen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab: bei sehr hohem Risiko, insbesondere bei Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung, manchmal schon ab Werten von 130 zu 85, ansonsten generell ab 140/90 mmHg, bei sehr alten Patienten eventuell erst ab 160 mmHg systolisch.“

Priv.-Doz. OA Dr. Thomas Weber
Kardiologe am Klinikum Wels-Grieskirchen

Meist nur noch eine Tablette notwendig

„Primäres Ziel muss sein, alle Hypertoniker erfolgreich in den Normalbereich zu bringen. Doch derzeit ist die Hälfte aller Menschen mit Bluthochdruck nicht bzw. nicht erfolgreich behandelt“, so Weber. Die Gründe dafür liegen unter anderem in einer mangelnden Therapietreue der Patienten und in einer immer noch bestehenden Dunkelziffer der Erkrankung. „Es ist erwiesen, dass die Compliance nachlässt, je mehr unterschiedliche Präparate Patienten einnehmen müssen. Die Therapietreue soll nun durch den Einsatz von Fixdosis-Kombinationen verbessert werden: Bei der medikamentösen Behandlung wird für die meisten Patienten jetzt schon von Anfang an eine Kombination verschiedener Wirkstoffe, aber in nur einer Tablette, empfohlen.“

Aktuell: Blutdruck in Zeiten der Corona-Pandemie

„Gerade in Zeiten, in denen Ordinationen und Ambulanzen schwerer erreichbar sind, ist die Blutdruckselbstmessung von besonderer Bedeutung“, weist Weber aus gegebenem Anlass hin. „Auch die Lebensstilmaßnahmen sind wichtig. Trotz Ausgangsbeschränkungen bzw. Limitierungen in der Freizeitgestaltung sollte auf ausreichend körperliche Aktivität geachtet werden. Eine in dieser Situation leicht mögliche Gewichtszunahme muss vermieden werden!“ Die medikamentöse Therapie bei Bluthochdruck kann und soll auch während der COVID-19-Epidemie unverändert fortgeführt werden. Ausgenommen davon ist – wie auch bei anderen schweren Krankheiten – ein schwerer Verlauf der Erkrankung, der mit einer Spitalsaufnahme und womöglich einem Intensivaufenthalt einhergeht. In diesen Fällen werden die Ärzte die Blutdrucktherapie überprüfen und steuern. Auf theoretischen Überlegungen und Tierexperimenten beruhende frühere Warnungen einiger Wissenschafter, manche Blutdruckmedikamente, wie ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker, sicherheitshalber während der COVID-19-Pandemie abzusetzen oder umzustellen, konnten durch neue Studien entkräftet werden. „Die genannten Medikamente führen zu keiner Erhöhung des Risikos, an COVID-19 zu erkranken oder einen schweren Verlauf der Erkrankung zu erleiden, und sollten beibehalten werden“, betont der Welser Blutdruckexperte. „Die Österreichische Gesellschaft für Hypertensiologie hat bereits vor einigen Wochen eine Stellungnahme auf ihrer Homepage (www.hochdruckliga.at) veröffentlicht, die davor warnt, eine bestehende Medikation mit diesen Medikamenten einfach abzusetzen oder zu verändern.“ Gleichlautende Empfehlungen gibt es von der österreichischen Gesellschaft für Kardiologie und der Österreichischen Gesellschaft für Nephrologie sowie von den entsprechenden internationalen Fachgesellschaften.

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